Branche will mehr Wohnraum schaffen

Martin Dornieden tritt beim 38. Hannover-Forum für Deregulierung ein

„Gemeinsam für mehr Wohnungsbau: aber wie?“ – unter dieser Fragestellung diskutierten 240 Vertreter aus Politik, Wissenschaft, Medien und der Wohnungswirtschaft beim 38. Hannover-Forum des BFW Niedersachsen/Bremen aktuelle Herausforderungen und mögliche Lösungsansätze. Martin Dornieden, Geschäftsführer der DORNIEDEN Gruppe und Vorsitzender des BFW Nordrhein-Westfalen, machte sich dafür stark, die Vorschriftenflut im Neubau auf die sinnvollsten Regulierungen einzudämmen, um Kostensteigerungen für neuen Wohnraum zu vermeiden. Ebenso seien Standardisierung, Typisierung und Effizienzsteigerung mögliche Stellhebel der Wohnungswirtschaft, um mehr bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.

Preise steigen voraussichtlich weiter

Was das Jahr 2020 für die Immobilienwirtschaft voraussichtlich mit sich bringt, hob Professor Dr. Tobias Just, Geschäftsführer und wissenschaftlicher Leiter der IREBS Immobilienakademie an der Universität Regensburg, in seinem Vortrag hervor: Die Nachfrage nach Wohn- und Gewerberäumen bleibe in Deutschland in diesem Jahr hoch, auch wenn sich die Konjunktur bereits leicht abgekühlt habe. Da inzwischen zwar etwas mehr, aber keineswegs ausreichend viel gebaut werde, dürfte der Aufwärtsdruck auf die Mieten nachlassen. Bei den Preisen sei dagegen noch kein Ende der dynamischen Entwicklung in Sicht, da das Zinsumfeld die Anlagealternative für private und institutionelle Anleger begrenze. „Die Luft auf den Immobilienmärkten wird zwar angesichts rasant gefallener Mietrenditen dünner, doch im Vergleich zu gängigen Alternativen erweist sich die Immobilie immer noch als sicherer Hafen“, so Professor Just.

Was braucht es für mehr Wohnungsbau?

In der Podiumsdiskussion des Hannover-Forums ging es um die Frage, wie alle Beteiligten gemeinsam den Wohnungsbau ankurbeln können. Die Hemmnisse waren schnell identifiziert, die Liste wurde mit jedem Wortbeitrag länger. Ein Problem etwa seien hohe Grundstückskosten, die teilweise bis zu 30 Prozent der Gestehungskosten ausmachten, so Professor Just. Conrad von Meding, Redakteur bei der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung, verwies darauf, dass die Grundstücksvergabe zum Höchstgebot die Preise unnötig in die Höhe treibe.

Im Fokus der Diskussion standen jedoch allen voran die gesetzlichen Vorgaben und zunehmenden Regulierungen – von Brandschutz über Barrierefreiheit bis hin zu energetischen Auflagen. „Wir gehen weit über das hinaus, was hilfreich ist. Alle müssen das mitbezahlen“, so Martin Dornieden. Der Vorsitzende des BFW NRW schlug vor, zunächst den Bedarf zu ermitteln und dann angepasst zu handeln. „Ebenso sind Standardisierung, Typisierung und Effizienzsteigerung mögliche Stellhebel der Wohnungswirtschaft, um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.“ Dazu müssten gleichermaßen und schnellstmöglich politische Rahmenbedingungen verbessert werden.

Auch Martin Bäumer, baupolitischer Sprecher der CDU, sieht in den politischen Rahmenbedingungen eine große Stellschraube. „Mehr Wohnraum kann nur entstehen, wenn mehr Bauland ausgewiesen wird und Baugenehmigungen schneller erteilt werden. Bürokratische Regelungen müssen konsequent zurückgedrängt werden. Auf Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen für Wohnungsbauvorhaben sollte zeitweise verzichtet werden“, so Bäumer.

Insgesamt wurde beim 38. Hannover-Forum deutlich, dass es bislang keine Patentlösung für die schnelle Schaffung von Wohnraum gibt. Die Forderungen der Wohnungswirtschaft sind jedoch eindeutig: die Ausweisung von mehr Bauland, die Entschärfung von Regulierungen und die Bereitstellung verlässlicher Förderbedingungen sowie eine konstruktive Zusammenarbeit, um dem Bedarf an Wohnraum nachzukommen. Alle Beteiligten – von Politik über die Wohnungswirtschaft bis hin zu den Medien – müssten ihrer Verantwortung nachkommen. Lösungen seien nur gemeinsam mit allen Akteuren erreichbar.

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